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ΛΕΦΤΑ - Οι ρεμπέτες

Die kecken Kerls Simon »Sid« Steiner (Stuttgart) und »Latino« Klaus Pfeiffer (São Paulo) spielen auf Bouzouki, Baglamas, Tsouras, Gitarre, Klarinette, Loops und Percussions griechische Undergroundmusik. Die Rembetika sind Lieder aus dem Piräus der 1930-er Jahre. Sie handeln von Liebe, Leidenschaft, Schmerz und Trost.

Das Stuttgarter Rembetiko-Duo nennt sich ΛΕΦΤΑ (LEFTA = Geld).

LEFTA singen die Rembetika von Giorgos Batis, dem »King of Piräus« (1885-1967), Anestis Delias, Giorgos Katsaros, Joannis Joannidis und dem Patriarch des Rembetiko: Markos Vamvakaris. Und – und das ist ganz neu – Pfeiffer / Steiner improvisieren ausgelassen im 9/8-Zeimbekiko-Rhythmus, den sie mit Loops, Beats und Effekten versehen.

Rembetiko will never die!

»Die Menschen in Griechenland sind anders«, meinte der Deutsch-Italienischer Brasilianer »Latino« Klaus, als ihm bei seinem ersten Gastspiel in Hellas Blumen, Teller und leere Bierkisten um die Ohren flogen.

Die 120 kiloschwere Dorfautorität Jannis Chorafas, Gemeinderat der Kommunistischen Partei, hüpfte bei der Rembetikoshow von LEFTA auf einen Tavernenstuhl und landete prompt in den Armen eines angereisten Groupies.

»Die Deutschen haben hier eingeschlagen wie ein Erdbeben«, berichtete E-Radio Vasilika über die beiden Rembetikoartisten.

LEFTA spielen in Griechenland traditionell unverstärkt. Im Mittelpunkt stehen Bouzouki und Baglamas und die griechischen Originaltexte. In Deutschland spielen sie psychedelischer und phasenweise ein bisschen punky, mit Loops, Noise und Effekten.

Der Rembetiko von LEFTA ist definitiv der schwere griechische Blues. Man spürt die Tiefe und den Schmerz einer ganzen Nation – gerade jetzt zur Zeit der Krise. Und trotzdem kommen ihre Lieder rasant und wild und ausgebufft rüber.

Rembetiko will never die!

Der Hobbie-Rebetologe Simon Steiner stellt fest: »Anfangs haben wir die berühmten Rembetika 1:1 gelernt und zu 100% exakt nachgespielt. Heute setzen wir auch eigene Varianten und moderne Stilmittel ein. Wir entwickeln Rembetiko weiter, geben ihm zukünftig auch einen elektronischen Touch, ohne das Alte zu vergessen!

Rembetiko hörte ich zum ersten Mal 1978 in der Taverne bei meinem Freund Vagelis in Vasilika. Er erklärte mir die politische Entstehungsgeschichte, die sogenannte Kleinasiatische Katastrophe 1922/23 und die daraus entstandene Flüchtlingsdramatik der Griechen. Die Flüchtlinge kamen aus Smyrna und wohnten in Zelten, Baracken und Wagons. Die ersten Cafe Aman entstanden. Die Streuner und Vagabunden, die Tagelöhner, Spieler und Taschendiebe lungerten nicht nur herum, sondern griffen zu Bouzoukis und Baglamas, erzählte mir Vagelis über die Szene in Piräus. Ich lauschte den typischen Instrumenten, Vagelis übersetzte mir die Texte und erzählte aus den Biografien der großen Rembetikomusiker, Markos Vamvakaris und Giorgos Batis. Ich begriff am Rembetiko, wie das alles verbunden ist, dass Musik, Politik und Geschichte immer zusammen gehören«.

Rembetiko will never die!

»Es ist eben so: Das was heute ist, ist aus einem inneren Bedürfnis von uns beiden entstanden. Es ist nichts Aufgesetztes. Wir suchen keinen Ruhm. Das nimmt das Publikum auch wahr.
Wir sind kein Produkt. Wir spielen Rembetiko, also sind wir und so hat mein Leben mehr Sinn«, philosophiert Klaus Pfeiffer.

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Simon Steiner

Simon Steiner

Geboren in Stuttgart. Lebt und arbeitet in Stuttgart und Vasilika, Griechenland.

Klarinetten- und Saxofonunterricht an der Stuttgarter Musikschule bei Prof. Bernd Konrad.
Fortbildungen zum Musiklehrer an öffentlichen Schulen.
Klarinettenlehrer an der Stuttgarter Musikschule.
Fortbildungen im Bereich Musik am PC bei Frank Amos (Composing / Sampling).
Auf Baglamas und Tsouras Autodidakt.

Veröffentlichungen und Vorträge zu den Themen:

→ Hippies und Protest
→ Kultur und Natur
→ Giorgos Batis: Tausendsassa der Rembetiko-Szene in Piräus
→ Vasco da Gama – Gewürzhandel im Mittelalter
→ Facebook in Schule und Unterricht?
→ Geschichte: Methodik und Didaktik, Lebenswelt, Mentalität und Alltag, oral history
→ »My GBH« – Fanzine zum alten Güterbahnhof Stuttgart (1998)
→ Koautor in: »Rough Guide Rock«, 1. Deutsche Ausgabe, 1998, Verlag J. B. Metzler, Stuttgart
→ »Wort und Spiele«, DVD mit Timo Brunke in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Stuttgart
→ Zeitzeugen-Interviews für die Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum der Bismarckschule Stuttgart-Feuerbach
→ »Wie der Punk nach Stuttgart kam und wo er hinging« – Punk, New Wave und Neue Deutsche Welle in Stuttgart und der Region, 1978-1983. Buchveröffentlichung am 15.09.2017 im Württembergischen Kunstverein, Stuttgart
→ DJ-lecture mit Barny Trouble und Dr. No (Punk/Kunst/Protest in Stuttgart, 2018)

»Fußball und POP in den sixties«, Einzelausstellung 1998 in der GBH-Galerie, Stuttgart.
Teilnahme an der Gruppenausstellung »NICE NOISE NOW« 2015 im Kunstmuseum Stuttgart mit dem Exponat »MBK – eine digitale Collage im Goldrahmen«.

Beteiligung an Musikprojekten und Diskografie:

1969 »Spes« mit Stups Panhans, Ala Heiler und Christoph Haas;

1971 »Tergeminus« mit Erich Schmeckenbächer, später »Zupfgeigenhansel«, »Polk«;

1974 »Camembert Electrique«;

1976 »Tyll Eulenspiegel«;

1980 »F.A.K.« (LP »Grußlos« und EP »Verzweiflungstat Nr. 1«);

1982 »Sissis Kinder« (EP »Schlauchlos«) und »Mannschreck« (EP/LP), Filmmusik zu »Eiszeit« von Thomas Meyer Hermann;

1982/83 Punk-Jazz »Leerersport« mit Christoph Wagner;

1984 »Biznis Biznis« mit Udo Schöbel, Filmmusik für Udo Schöbel;

1986-1992 Gastspiele bei »Cleanin’ Women«;

1986 »Verichrome Tulips« (LP »Le Lac Lemond«);

1987 »NIL« mit Frank Simon und Klaus Hesselbach (von »Familie Hesselbach«);

1988-1999 »GBH Stuttgart« mit G.A.W., der mußikant, Morscher Pünkelpracht u.v.a.m. (unter anderem Musik zu Martin Rupprechts Ausstellung »HerzRhythmusMaschine« 1997);

1993 »Rabbo Donga«;

1998 Solo-CD »GBH – Stuttgart 21 – Abriss 99«;

2000 »MBK Stuttgart« (MP3-Samples auf www.mbkwelt.de);

Seit 2010 »LEFTA« – Rembetiko mit Klaus Pfeiffer;

Seit 2010 Kooperation mit dem Musikprojekt »De Fabriek«, Holland;

2012 Zusammenarbeit mit Alain Domagla, Marseille, Ekphrasis: copy non conforme. »Haut standing pédo park«;

2012 Sound-Samples für Ulf Stolterfoht, Gewinner der Audio-Ausschreibung, 1. Platz: Simon Steiner;

2017 Mitwirkung bei SilkySalt Dub und Kooperation mit Alé (beides im MBK); Arbeit mit UMF

Klaus H. Pfeiffer

Klaus H. Pfeiffer

Geboren in São Paulo, Brasilien. Aufgewachsen in Brasilien.

Zeichnung- und Malereiunterricht bei Egas Francisco.
Einzelausstellung 1976 in der Galerie »Raposa Vermelha« in Campinas, Brasilien.

Erste musikalische Erfahrungen im Kommunenleben mit Musikern in den 1970-er Jahren, unter anderem mit Zeza Amaral und der chilenischen Gruppe Agua in Campinas sowie mit Raimundo Sodré und mit dem Ausnahmeperkussionisten Mestre Annunciação in Salvador da Bahia, Brasilien.

Grafikdesign-Semester Ende der 1970-er Jahre an der Merz Akademie Stuttgart.
Schlagzeugunterricht bei Steffen Moddrow.

Anfang der 1980-er Jahre als freischaffender Künstler in Brasilien tätig.
1980-1981 Auszeichnungen beim III. und IV. »Salão Nacional de Artes« im Nationalen Kunstinstitut in Rio de Janeiro sowie vom Museum für Zeitgenössische Kunst in Campinas 1984.
Gruppenausstellungen 1982 in Assis und 1984 in Campinas.
Songwriting für den Sänger Lili Rodriges Anfang der 1980-er Jahre in Campinas.

1985 Übersiedlung nach Italien, studiert Grafikdesign und Illustration am »Istituto Europeo di Design« (IED) in Mailand, Italien.
Gitarrenunterricht und Harmonielehre bei Massimo Minardi.
1986 Gruppenausstellung im »Piccolo Teatro di Milano«.

1988 Zusammenarbeit mit der Theatergruppe »La Comune« in Mailand. Übersetzung mehrerer Theaterstücke von Dario Fo und Franca Rame (Italienisch-Portugiesisch).

1995 Übersiedlung nach Stuttgart, arbeitet vorwiegend in der Kultur- und Wissenschaftsbranche.
1995-1999 Mitglied der Stuttgarter Underground-Band GBH mit Dieter Fuchs, Eckhart Holzboog, Michael Schill, Sasha Vidakovic, Klaus »Lupe« Wolf u.v.a.m.
Kuratiert eine Ausstellung von Egas Francisco 1998 in der GBH-Galerie, Stuttgart.

Seit 2003 Zusammenarbeit mit dem Theater tri-bühne, Stuttgart. Übersetzung mehrerer Theaterstücke (Englisch-Deutsch-Portugiesisch-Italienisch), unter anderem von Henning Mankell (2004), Liz Kuti (2006) sowie von Mia Couto, José Eduardo Agualusa (2008), Francesco Pileggi (2014) und Manuela Soeiro (2016).
2012 künstlerische Leitung des Abschlusskonzerts »Grenzenlose Musik« zum 11. Stuttgarter Europa Theater Treffen.

Zusammenarbeit mit der Galerie ABTART Stuttgart und dessen Kuratoren seit 2007. Gestaltung von Kunstkatalogen, unter anderem für die Ausstellungen »(Z)art«, kuratiert von Jan Hoet (2010), »Halleluhwah! Hommage à CAN«, kuratiert von Christoph Tannert (2011), »PowerFlower«, kuratiert von Tilman und Gabriele Osterwold (2012), »Blicken-Sehen« (2014) und »WALTER SCHELS Fotografie.« (2017), kuratiert von Klaus Honnef.

Initiator und Vermittler bei der Teilnahme von Dario Fo am 12. Stuttgarter Europa Theater Treffen 2014 mit einer Performance in der Liederhalle sowie mit einer Einzelausstellung in der Galerie ABTART.

Bildet seit 2010 das Rembetiko-Duo LEFTA mit Simon Steiner.

2016 betreut die Künstlerin Doris Graf in Salvador da Bahia, Brasilien, bei der Durchführung des Projekts »CityX – Eu, Salvador« und 2018 in Bergamo, Italien, sowie in Maputo, Mosambik, bei der Durchführung der Projekte »CityX – Io, Bergamo« und »CityX – Eu, Maputo«.

Gestaltung der Kunstkataloge »CityX 1« sowie »Eu, Salvador«, »Yo, Habana« 2017 und »Io, Bergamo« 2018.

Spielt seit 2016 in der Gruppe erika51 mit Steffen Moddrow, Georg Stock und Lupe Wolf; erste Aufnahmen im April 2017. EP-Release Oktober 2018.